Am 15. Januar 1892 trafen sich im Hotel „Zum Goldenen Löwen“ in der Ludwigstraße 113 einige schachbegeisterte Herren, um den „Schach-Club Hof“ zu gründen. Erster Vorstand wurde der Brandversicherungsinspektor Xaver Lederle.
Im Jahre 1898 trat Oberlehrer August Horn dem Verein bei und sollte ihn ein halbes Jahrhundert lang prägen! Seine Vereinskarriere begann er als Schriftführer, und ab 1911 war er 1. Vorsitzender. Er führte nicht nur penibel Buch über alle wesentlichen Clubereignisse, sondern glänzte auch als Problemkomponist der Böhmischen Mattbilderschule. Um die Jahrhundertwende maß man sich mit den Vereinen aus der Umgebung, als da waren Helmbrechts, Naila, Selb, aber auch Bamberg, Ölsnitz, Eger und Bayreuth. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges hatte der Verein erstaunliche 127 Mitglieder.
Vom 11. bis 13.7.1925 findet der 3. Oberfränkische Kongress im Hotel Linderhof statt. Vereinsmitglied Fritz Giegold aus Leupoldsgrün, bereits damals ein über die Grenzen Oberfrankens hinaus bekannter Problemkomponist, erschuf 2 Probleme, die am 11. und 13.07.1925 im ‚Hofer Anzeiger‘ erscheinen. Giegold wurde mit 22 Jahren Oberfrankenmeister. Später wurde er wiederholt Hofer Stadtmeister. Er war ein
Ästhet des königlichen Spiels. Nach dem Krieg widmete sich der Leupoldsgrüner immer mehr dem Schachproblem. Er holte sich den Titel eines Bayerischen Problemmeisters, und große Blätter des In- und Auslands zählten zu seinen Abnehmern. Bis zu seinem Tod 1978 komponierte er mehr als 850 Schachrätsel.
1928 beginnt mit der Wahl von Dr. Karl Waelzel eine neue Ära, denn er wird bis zum Jahre 1956 insgesamt 24-mal zum Vorsitzenden gewählt. Einige Jahre ist er auch Vorsitzender des Oberfränkischen Schachverbandes (ab 1955 dessen Ehrenvorsitzender). 1935 gibt es verschiedene Schachkurse an Schulen, wobei der Schachunterricht an den Volksschulen von Stadtschulrat Wolfrum wärmstens gefördert wird.
Aus den Trümmern des 2. Weltkrieges fanden sich schon 1946 immerhin 25 Schächer zusammen und bildeten die Grundlage eines erneuten Aufschwungs. Bereits 1948 wurde der Oberfränkische Schachkongress in Hof abgehalten. Damals trat erstmals Großkaufmann_ Dieter Weiske auf den Plan (als Zweiter Vorstand und Spielleiter des Oberfränkischen Schachverbandes; später Ehrenmitglied des Bezirksverbandes
Oberfranken), der sich allerhöchste Verdienste um das Schach in Hof erwarb. So war er achtmal Vereinsmeister, 1952 Oberfrankenmeister und in den 50er und 60er Jahren langjähriger Spitzenspieler der 1. Mannschaft. Durch sein Mäzenatentum lockte er bekannte Großmeister wie Wolfgang Unzicker (München) oder Lothar Schmid (Bamberg) zu diversen Veranstaltungen nach Hof. In den 60er und 70er Jahren verlegte er seine Prioritäten mehr auf den Fußball. Nach dem Abstieg des FC Bayern Hof aus dem bezahlten Fußball 1978 wandte er sich wieder dem Schach zu, was in den 80er und 90er Jahren zu großen Erfolgen führen sollte.
1964 wurde Gottfried Ullmann zum neuen Vorsitzenden gewählt und verhalf dem Schachklub zu neuem Schwung. So wechselte man in die Hauptbahnhofsgaststätten (der wunderschöne Königssaal als bester Rahmen für das königliche Spiel), wo der Verein satte 35 Jahre bis 1999 residierte. 1965 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister unter dem Namen „Schachklub Hof 1892 e.V.“ Der amtierende Weltmeister Tigran Petrosjan
und Fernschach-Weltmeister Jakob Estrin kamen zu Simultanveranstaltungen nach Hof. Die „Erste“ der Hofer
schaffte 1965 erstmals den Aufstieg in die Bayerische Oberliga Nord. Zum 75-jährigen Bestehen fanden 1967 die Bayerischen Einzelmeisterschaften in Hof statt.
1968 wurde Oskar Richling zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er hielt das Amt bis zu seinem Tod am 31.10.1989 inne und prägte in dieser Zeit das Vereinsleben wie kein Zweiter. Seine Werbeveranstaltungen an Schulen, Reisen ins In- und Ausland, verknüpft mit Freundschaftskämpfen und sein stets offenes Ohr für „seine“ Mitglieder sorgten für einen phänomenalen Aufschwung mit bis zu neun Erwachsenenmannschaften und drei Jugendteams!
Richling gehörte deutschlandweit zu den besten Problemlösern. Sein größtes Talent war aber wohl andere zu gewinnen und zu inspirieren und so baute er bis Mitte der siebziger Jahre eines der stärksten Jugendteams Deutschlands auf. So wurde Christine Hertel 1974 bayerische Jugendmeisterin und Sebastian Eidt bayerischer Schülermeister. Die Jugendmannschaft wird 1975 Deutscher Vizemeister. Prominentestes Mitglied war Christian Schubert. Er gewann 1977 die Internationale Deutsche Jugendmeisterschaft und spielte in der 80er Jahren 1. Bundesliga beim vielfachen Deutschen Meister Bayern München, bevor er 1990 wieder zu seinem Heimatverein zurückkehrte. Dieter Seyb (heute TSV Großenseebach), der auch in den 90er Jahre
wieder für Hof an die Bretter ging, wurde vom Weltschachbund FIDE der Titel „FIDE-Meister“ verliehen.
Der Nachfolgegeneration in den 80er Jahren (vertreten durch P. Meister, M. Litzka, M. Lochner, S. Klos, J. Wenzel, P. Meyer, J. Müller, A. Wilfert und S. Käppel) gelang der ganz große Coup in Bochum 1984: Deutscher Vereins-Jugend-Mannschafts-Meister!
Fast parallel wurde das Hofer Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium 1984 Deutscher Schulschachmeister in
der spielstarken WK I (Oberstufe) und 1985 noch einmal Deutscher Schulschach-Vizemeister.
Peter Meister entwickelte sich zum stärksten Spieler, den der Verein je hervorgebracht hat. 1988 gewann er die Bayerische Einzelmeisterschaft und wurde Deutscher Vizemeister im Blitzschach. 1990 verlieh ihm der Weltschachbund FIDE den Titel „Internationaler Meister“! Meister spielt heute noch gelegentlich in der 1. Bundesliga bei Bayern München.
Im Oktober 1987 gab der damals 76-jährige Ex-Weltmeister Mikhail Botwinnik aus der Sowjetunion ein Uhren- Handicap an 8 Brettern, wobei er überraschend 3,5:4,5, unterlag. Nach dem Tod von Oskar Richling übernahm Peter Wilfert 1990 die Geschicke des Vereins und führte die erfolgreiche Arbeit seines
Vorgängers fort.
Durch die Verpflichtung starker Spitzenspieler (stellvertretend seien genannt IM Henryk Dobosz, Dietrich König und GM Lutz Espig) gelangen in den Folgejahren tolle Erfolge. So in der Saison 1989/1990 der Aufstieg der „Ersten“ in die 2. Bundesliga Süd und auch die „Zweite“ stieg erstmals in die Bayerische Oberliga auf. Die 1. Mannschaft erreicht ihr bestes Zweitligaergebnis mit einem 2. Platz (hinter Post SV Dresden) in der Saison 1991/1992 gleichsam als Ehrerweisung an den Spieler, Organisator und Förderer Dieter Weiske, der am 27.11.1991 verstarb.
Hofer Aushängeschild in den 90er Jahren war Michael Kuraszkiewicz (heute SK König Plauen). Ihm gelang es im Jahre 1995 die Bayerische Meisterschaft zu gewinnen und somit noch einmal ein absolutes Glanzlicht zu setzen. Der Weltschachbund FIDE verlieh ihm den Titel „FIDE-Meister“.
Der fortwährende Aderlass an Eigengewächsen insbesondere aus Studien- oder Berufsgründen sowie der sukzessive Weggang der Spitzenspieler in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre hatten zur Folge, dass die ‚Erste‘ von der 2. Bundesliga dreimal bis in die Regionalliga Nord West absteigt und in den Folgejahren teils gar nur in der höchsten oberfränkischen Spielklasse die Farben der Stadt vertreten kann.
Ab 1999 gab es mehrere Spiellokalwechsel. Die Existenz des Vereins war bedroht. 2001 entschloss man sich, dem PTSV Hof als Sparte beizutreten. Dessen Schachabteilung hatte sich 1998 aufgelöst. So kam der Post- und Telekom Sportverein wieder zu einer Schachabteilung und der SK Hof zu einem guten Spiellokal. Die neue Spartenbezeichnung lautet „PTSV-SK Hof 1892“. Die Abteilung hat 70 Mitglieder und nimmt mit 3
Erwachsenenmannschaften und 2 Jugendmannschaften am Spielbetrieb teil. Abteilungsleiterin ist Andrea Ramming, die sich nicht scheute, in schwerer Zeit Verantwortung zu übernehmen. Der Schachklub Hof 1892 besteht weiterhin und widmet sich der Förderung des Schachspiels, was satzungsgemäß Vereinszweck ist.
Die Abteilung wird im Folgenden von einem engagierten Team um Viktor Schindler, Marcus von Lossow und Hans Hertel geführt. Insbesondere Heiko Sieber versucht Schach in der Öffentlichkeit bekannter zu machen. So organisiert er eine Simultanveranstaltung samt Rahmenprogramm mit dem GM Klaus Bischoff und der lebenden Legende GM Dr. Helmut Pfleger, die am 28. Mai 2005 in der Hofer Fußgängerzone über die Bühne ging
1. Vorsitzender Peter Wilfert erhält 2011 den Ludwig-Schirner-Ehrenpreis.
Der seit den 90er Jahren allenthalben zu beobachtende Mitgliederschwund setzt auch in Hof ein. Dies obwohl lange Jahre Schachkurse in der Grundschule Krötenbruck angeboten werden. Die Corona-Pandemie verschlimmert zuletzt noch die Situation: kaum Training und Wettkämpfe in geschlossenen Räumen und Ängstlichkeit bei den älteren Mitgliedern machen sich bemerkbar.
Schach boomt zuletzt jedoch im Internet: Insbesondere durch die Aktivitäten von Weltmeister Magnus Carlsen, aber auch durch die Netflix-Serie „Queens Gambit“ und diverse Schachstreamer (youtube/twitch) werden mehr Spieler denn je an die virtuellen Bretter gelockt.
2021 kehren Dr. Oliver Fischer, Dirk Müller und Johannes Wenzel zu ihrem Ausbildungsverein zurück mit dem Ziel, das Schachspiel in Hof wieder populärer zu machen. Wenzel initiiert Ende 2022 eine Schach-AG an der Sophien-Grundschule, auch weil diverse wissenschaftliche Studien inzwischen die positive Wirkung des Schachspiels auf die Entwicklung der Kinder belegen.
Die „Erste“ wird am 23.04.2023 Meister der Regionalliga Nord-West und steigt erstmals in diesem Jahrtausend in die Landesliga auf, die vierthöchste deutsche Spielklasse.
Ad multos annos!
gez. Johannes Wenzel
- April 2023